Newsbeiträge

26. Sonntag im Jahreskreis - 26./27. September 2009

Eingereicht von markus am 27. Sep 2009 - 11:09 Uhr
Wer Christ sein darf, entscheiden nicht die Christen, sondern Christus selbst gibt es uns vor. Wem er die Hand reicht, den dürfen wir nicht aus unseren Gemeinden fern halten, weil er zu fortschrittlich oder zu konservativ ist oder auf andere Weise unseren Vorstellungen nicht entspricht. Die Gefahr, jemanden am Glauben zu hindern, weil er nicht unseren Maßstäben entspricht, führt das Evangelium drastisch vor Augen (vgl. Mk 9,38ff)
Fremde Wundertäter? „Hindert sie nicht!" Verführerische Gliedmaßen? „Hau sie ab!" –

Wie passt das zusammen? Manchmal habe ich den Verdacht, die antiken Kopisten haben beim Abschreiben etwas ausgelassen. Doch für den Evangelisten Markus gehören beide Forderungen zusammen - als Mahnung an den engsten Jüngerkreis, man könnte heute sagen: an Kirchenleitung und ihre Gremien. Übersetzt könnten die Worte Jesu heißen:„ Wer Gutes tut und im Namen Jesu helfen will, soll das tun. Man muss sich nicht mit Leib und Seele der Kirche verschrieben haben, um in ihrem Sinne zu handeln." Das bedeutet auch, dass Christen aufmerksam und dankbar sein sollen für alle Zeichen der Liebe und Sorge, die außerhalb ihrer eigenen Zirkel geschehen. Diese Aufmerksamkeit fordert auch der zweite Teil des Evangeliums: „Ihr alle, denen irgendeine Leitungsaufgabe anvertraut ist, achtet auf euer Tun. Werdet nicht unglaubwürdig für die einfachen Gläubigen in der Kirchenbank. Wenn sie Euretwegen ihren Glauben an den gütigen Gott verlieren, dann ist das eine ernste Sache!" Hand abhauen, Auge ausreißen - Jesus fordert mit drastischen Worten auf, nicht alles zu tun, worauf wir gerade Lust haben. Es lohnt sich zu verzichten, sich anzustrengen, die Folgen des eigenen Handelns im Blick zu haben. Nicht um sich zu quälen, sondern um das Reich Gottes zu verwirklichen. Darum geht es Jesus in all seinen Forderungen.


Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünschen
auch im Namen des Pastoralteams

 Reinhard Walterbach, Pastor, und Maik Stenzel, Kaplan  

25. Sonntag im Jahreskreis - 19./20. September 2009

Eingereicht von markus am 19. Sep 2009 - 10:37 Uhr
Die Jünger Jesu verstehen eigentlich nichts von ihm. Das lesen wir immer wieder im Neuen Testament. Sie hören zu, aber sie verstehen Jesus nicht. Aber etwas anderes verstehen sie sehr gut: sich zu streiten. Wer ist der Größte unter ihnen? Darüber streiten sie gerne. Und gerade dieser Streit, der einem vorkommt wie im Kindergarten, ist der beste Beleg dafür, dass die Jünger eigentlich nichts von Jesus verstehen. (Mk 9,30-37)

Hoffentlich machen wir es besser. Hoffentlich haben wir andere Probleme als die Jünger. Hoffentlich gibt es bei uns keine Hahnenkämpfe in der Pfarreiengemeinschaft und den einzelnen Gemeinden, im Pfarrgemeinderat und am Arbeitsplatz. Besser ist es, wenn es allein um die Sache geht. Die nämlich benennt Jesus eindeutig: Wer groß sein will, soll dienen. Und dann zeigt uns Jesus ein Kind, also einen völlig abhängigen Menschen, und befiehlt den Jüngerinnen und Jüngern dieses Kind an. Nehmt dieses Kind in eure Obhut, sagt Jesus, und ihr nehmt mich auf. Nehmt das Schwächste von allen zu euch, und ihr kümmert euch um mich. Das ist klar. Da gibt es nichts mehr zu deuten. Besser als sich um sich selbst zu kümmern ist es, sich um das Schwache zu kümmern. Wer ganz unten anfängt, ist bald ganz oben. Bei Jesus.

Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünschen
auch im Namen des Pastoralteams

 Reinhard Walterbach, Pastor, und Maik Stenzel, Kaplan  

24. Sonntag im Jahreskreis - 12./13. September 2009

Eingereicht von markus am 11. Sep 2009 - 08:11 Uhr

Mit welchen Augen lesen wir das Evangelium? Mit welchen Ohren hören wir Jesus sprechen? Wen und was machen wir aus Jesus? Eine ewig wachsame moralische Instanz, ständig mit erhobenem Zeigefinger unterwegs: „Als guter Christ solltest du eigentlich..., eine gute Christin müsste doch ...!"?
Das mag ein wenig übertrieben klingen, aber mir kommt allzu oft ein solches Bild Jesu entgegen. Ein zu klein angesetztes, das leicht ins Gegenteil kippen kann: Der immer liebe Gott. „Freu dich doch, Jesus liebt dich. Halleluja."
Jesus ist einer, der zum Leben einlädt - liebevoll werbend und tröstend einerseits, und mich mit klaren Worten auf die manchmal raue Wirklichkeit hinweisend andererseits. Beides führt zum Leben und zum Segen, für mich und für andere. Mir tut heute gut, dass Jesus eine tiefe Wahrheit des Lebens beim Namen nennt: Wenn ich meinem Leben, meinem Glück mit aller Gewalt nachlaufe, weil ich es möglichst hier und heute haben muss, dann wird mir bald die Luft ausgehen. Ich werde merken, wie ich in Atemlosigkeit und Unersättlichkeit gerate.
Wenn ich mit einem großzügigen, hingebenden, liebevollen Herzen an das Leben und die Menschen herangehe und mich dabei in den Dienst eines Größeren - des Größeren - stelle, werde ich viel gewinnen. Einen Geschmack, einen Duft, eine Ahnung vom erfüllten Leben (vgl. Mk 8,27 – 35).

Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünschen
auch im Namen des Pastoralteams

Reinhard Walterbach, Pastor, und Maik Stenzel, Kaplan  
Sonntagsbrief vom 13. Sept. 09


23. Sonntag im Jahreskreis - 05./06. September 2009

Eingereicht von markus am 04. Sep 2009 - 20:39 Uhr
Religionswissenschaftlich versierten Hörern könnte die Spucke wegbleiben. Jesus heilt den Taubstummen ganz und gar in der Manier antiker Wunderheiler (Mk 7,31-37). Einzelne Elemente dieser Heilungspraxis finden sich tausendmal in den Kulturen dieser Welt. Der Heiler - Jesus, in diesem Fall - nimmt seinen Klienten beiseite, weil er seine Künste geheim halten will. Er berührt die kranken Organe mit seinen Fingern und seinem Speichel. Ähnlich wie das Blut und der Atemhauch gilt Speichel in vielen Kulturen als Lebensträger und besonders probates Heilmittel. Er blickt auf zum Himmel und seufzt tief, um den Geist herabzurufen und einzusaugen, mit dessen übermenschlicher Kraft die Wunderheilung gelingen soll. Und dann rezitiert er ein Zauberwort, dessen magische Kraft durch seinen fremden Klang und seine geheimnisvolle Herkunft noch gesteigert wird. Macht Markus damit Jesus zu einem von vielen, zu einem Wunderheiler unter Tausenden? Wohl kaum. Die erstaunten Zeugen des Geschehens preisen Jesus als den Messias, der die Schöpfung wieder in den guten Ursprungszustand zurückführt. Mich aber rührt die Erzählung gerade deshalb, weil Jesus hier so selbstverständlich und anschaulich als ein Wunderheiler seiner Zeit und Kultur vorgestellt wird. Es ist für mich ein erfrischend anderes Bild seiner Menschwerdung und seines Menschseins.

Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünschen
auch im Namen des Pastoralteams

Reinhard Walterbach, Pastor, und Maik Stenzel, Kaplan  
Sonntagsbrief vom 6. Sept. 09

22. Sonntag im Jahreskreis - 29./30. August 2009

Eingereicht von markus am 28. Aug 2009 - 15:08 Uhr
In der Bibel begegnen uns an vielen Stellen Reinigungsriten wie z.B. das häufige Händewaschen. Dabei geht es um weit mehr als um Sauberkeit oder Hygiene. Die Reinhaltung des Körpers und die rituelle Abschottung von allen unreinen Einflüssen ist vor allem eine symbolische Handlung von weitragender Bedeutung.
Der menschliche Körper steht gewissermaßen für die Gesellschaft selbst (oder für eine bestimmte Gesellschaftsschicht), sodass die Reinhaltung des Körpers ein symbolischer Ausdruck dafür ist, die eigene Gesellschaft (oder Gruppe) vor Verunreinigungen und unlauteren Vermischungen zu bewahren.
Gerade deshalb ist es ein solcher Affront, wenn Jesus mit "Zöllnern und Dirnen" zusammensitzt und sogar mit ihnen isst. Jesus weicht damit gesellschaftliche Grenzen auf und gefährdet damit die Identität gewisser Gruppen. So gesehen lässt sich in den Worten Jesu an die Pharisäer bereits der Grundstein erkennen für die grundsätzliche Öffnung Jesu - und des späteren Christentums - auf alle Völker hin; denn Jesus kritisiert mit scharfen Worten die Abschottungsrituale der Pharisäer.
So gesehen sind Jesu Worte auch brandaktuell für christlich geprägte Länder in Europa im Hinblick auf Flüchtlings- und Zuwanderungspolitik. Denn es gibt guten Grund, die Worte des Evangeliums auch so zu lesen: Nichts, was von außen in ein Volk hineinkommt, kann es "unrein" machen, sondern was aus einem Volk herauskommt, das macht es "unrein" (vgl. Mk 7,15).

Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünschen
auch im Namen des Pastoralteams

 Reinhard Walterbach, Pastor, und Maik Stenzel, Kaplan  

21. Sonntag im Jahreskreis - 22./23. August 2009

Eingereicht von markus am 21. Aug 2009 - 22:10 Uhr
Jesus und seine Jünger - ein unerschöpfliches Thema. Schon Jesus und Petrus geben genug Stoff für einen abendfüllenden Film. Mal nimmt Petrus den Mund sehr voll, mal ist er kleinlaut oder gar ein Leugner. Und dann wieder hat er ganz helle Momente wie kein anderer Jünger. Mitten im großen Streit um die Lehre Jesu zum Beispiel, als viele ehemalige Anhänger Jesus schon längst verlassen hatten, seufzt Petrus hellsichtig: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

Wer könnte das schöner sagen als Petrus, dieser buchstäblich zu allem fähige Nachfolger Jesu. Was er genau sagt, das weiß er oft selber nicht. Aber trotzdem trifft er den Nagel auf den Kopf. Aus ihm spricht Gott, sozusagen. Wir dürfen manchmal Gott hören, wenn Petrus spricht. Und einmal, im Evangelium des Johannes, trifft Petrus sogar alle Nägel mit einem Schlag auf den Kopf: Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. Wir können nicht weg. Sonst sind wir verloren. Das will Petrus sagen. Kurz danach will er weglaufen. Und scheitert jämmerlich. Nur wer bleibt, gewinnt das Leben.
Bei Jesus leben wir, auch wenn wir sterben.

Einen schönen Sonntag und eine gute Woche wünschen
auch im Namen des Pastoralteams

 Reinhard Walterbach, Pastor, und Maik Stenzel, Kaplan  
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